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Vancouver Alltag
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von Bruno Voser
Der Wecker hat schon vor 10 Minuten
gelaeutet. Ich steh auf und geh'
richtung Bad. Duschen, Rasieren,
dann in die Kueche. Morgenessen mach ich hier immer
selber. Das heisst Kaffee und Butterbrot
oder Schkoladenaufstrich, manchmal
auch mal Cornflakes. Heute entscheide
ich mich fuer die schnelle Version. Da
ich gestern wirklich reichlich gegessen
habe, waerm ich nur schnell eine
Tasse mit Milch mit der Mikrowelle
auf, pack dafuer eine fette Banane in meinen
Rucksack wo auch mein Lunch hineinmuss.
Zaehne buersten, Jacke packen und dann
geht's im Eiltempo zur Bushaltestelle.
Vorserst noch die Tuer abschliessen,
dann die steile Strasse hinunter
und links. An der Haltestelle angekommen ist
kein Bus in Sichtweite. Mountain
Highway heisst die Strasse, wo ich so gut
wie taeglich den '210er' nehme.
Sie ist wie mit dem Lineal gezogen und geht
von hier ca. 400 m recht flott nach
oben, bis sie mit einem leichten Knick nach
rechts verschwindet. Blickt man
richtung Lynn Valley Center (Einkaufszenter)
gehts ca 600 m nach unten, wobei
die Strasse etwas abflacht. Nach 2 Minuten
kommt auch Carlos aus Brasilien
dahergelaufen. Er ist vor 3 Wochen hier
angekommen, geht aber in eine andere
Sprachschule. Sein English ist noch nicht so
entwickelt und ich muss hin und
wieder nachfragen, was er jetzt eigentlich
sagen will. Ich auege nochmals die
Strasse hinauf, wo auch schon der Bus
heranbraust. Es ist 7.47 Uhr. Jaja,
Busfahren hier ist ziemlich verschieden
verglichen mit Zuerich. Im Dunkeln
sind die orangen 'Positionslichter' leicht zu
erkennen: Fuenf an der oberen Kante,
zwei auf der Seite. Das ganze je hinten und
vorne. Aussen ziehen zwei blau-gelbe
Linien horizontal ueber Seite. Der Bus
haelt, die Tuer oeffnet. Einsteigen
ist nur vorne moeglich und jeder Fahrgast
hat sein Ticket zu zeigen. Mit diesem
System werden dafuer Schwarzfahrer
total ausgeschlossen. Fuer meinen
Monatspass zahle ich 87 Ca$ was etwa 87sfr.
entspricht. Dei ersten zehn Sitze
sind fuer aeltere Personen reserveiert und
falls mal eine solche einsteigt
wird meist aufgestanden und Platz gemacht.
Doch zu dieser Tageszeit sind eigentlich
nur Studenten und Buezer unterwegs und
ich setze mich meist auf einen der
ersten auf der rechten Seite. Ansonsten
ist der Bus aehnlich lang, wie die
des ZVV, doch diese hier haben nur zwei
Tueren. Die Fahrt dauert ca 40 min
und der Bus wird waehrend dieser Zeit immer
mehr bevoelkert. Manchmal sitz'
ich auch im hinteren Bereich. Hier gibt es auch
Sitze, die sich gegenueberliegen.
Interessant ist auch die Leute zu
betrachten. Vancouver beheimatet
sehr viele Asiaten, wenn nicht am meisten ueberhaupt
an der Westkueste Amerikas. Ich
wundere mich oft, wieviele von denen
ueberhaupt hier leben oder nur zum
Sprachaufenthalt hier Station machen. Viele
Asiaten haben Kopfhoerer an und
hoeren Musik. Manche mit geschlossenen Augen,
manche mit offenen. Andere sind
vertieft in ihre Lektuere: Hausaufgaben oder
Zeitung. Erstaunlich ist dann aber,
wie die Halbschlafenden dann aber doch
wissen, wann sie aufstehen und austeigen
muessen. Nun noch kurz zum
Stopzeichen-geben in den Bussen
der 'Translink'-Vereinigung: Nein, hier wird nicht auf einen
Knopf gedrueckt, hier wird gezogen!
Jawohl, toent vieleicht seltsam fuer
solche, die noch nie in Uebersee
unterwegs gewesen sind, aber hier spannen drei
Drahtseile entlang der Fensterscheiben.
Auf der linken Seite eines, auf der
rechten zwei, da noch die Ausstiegstuere
dazwischen ist. Zwischen den den
Scheiben wird es durch Oesen auf
Hoehe gehalten Am ende jedes Drahtseiles ist ein
Schalter, der das Signal dem Fahrer
weitergibt. Der Bus kommt am "Phibbs
Exchange" an, einem grossen Oval
mit etwa 10 Halteplaetzen, wo die Leute die
Busse wechseln. Danach geht's steil
hinauf auf die "2nd Narrows Bridge" die
ueber den "Burrard Inlet" richtung
Sueden zeigt. Die Bruecke wird 6-spurig
gefuehrt und hat meist viel Verkehr.
Oh, ich muss ja aussteigen. Die
Tuer oeffnet aber erst, wenn man einen
Schritt nach unten macht und auf
den schwarzen Kunststoff tritt. Ich geh gleich
ueber die Strasse und warte bis
ich die naechste kreuzen kann, da das Signal
auf Rot ist. Nach gut fuenf
Minuten bin ich in der Schule. Meist komme ich
eine halbe Stunde frueher an, um
meine Hausaufgaben zu machen oder um mein
mail-Konto zu checken. Am Abend
bin wirklich lazy, da ich lieber TV schaue oder
gleich nach dem Nachtessen wieder
richtung Downtown unterwegs bin - und so
bleiben die Hausaufgaben bis am
Morgen unerledigt.
Der Unterricht hier wird je von
einer Pause im Morgen- und Nachmittagsblock
unterbrochen. Beendet ist das Ganze
um 15.30 und danach ist immer ein grosser
Run auf die Computerstationen, da
viele Studenten von sehr weit herkommen
und natuerlich mit Freunden von
zuhause kommunizieren wollen. Weit her heisst
von Korea, Japan, Brazil, Schweiz,
Mexico, Costa Rica, Germany, Venezuela,
China, Taiwan, France, Colombia,
(Canada)... diese Reihenfolge entspricht auch
gleich der Anzahl der jeweiligen
Studenten. Nach dem ich ab und zu auch die
site von TA, NZZ oder CNN gecheckt
habe geht's nach hause oder richtung
Granvillestreet, wo ich ab zu was
kleines einkaufe, wie z.B. Batterien oder
Rasierklingen. Oder ich diskutiere
mit Kumpels, wo's denn heute in den Ausgang geht.
Meist geh ich 2...3mal die Woche
aus. Praktisch woechentlich immer dienstags
,to the movies'. Hier zahlt man
nur 7 Ca$ exkl. taxes (14.5% Mehwertssteuer)
=> d.h. also 7.50. Sonst belaueft
sich der Preis auf 11.25.-, was immer noch
deutlich guenstiger ist als in ZH.
In einem Kino zahlt man sogar nur 5.25.-
und so kommt es, das man dann auch
mal sonntagnachmittags dort ist.
Doch heute geht's nicht ins Kino,
denn es ist Mittwoch. Ein Entscheid ist
schnell getroffen und somit gehen
wir heute in den "Green Room", 5 Minuten von
der Schule entfernt. Das Bier ist
nur 2.75.- und einen Hamburger gibt es auch
fuer denn selben Preis. Wir sind
eine internationale Gruppe aus 4 Nationen
und somit wird natuerlich English
gesprochen. Wir starten um 16.00 mit bieren
(Bier) und gehen so um 20.30 richtung
ROXI, ein Nightclub an der
Granvillestreet, wo etwa 10 andere
Clubs um Leute werben. Als wir dort ankommen, stehen
die Leute schon Schlange. Der Tuersteher
teilt uns mit, dass Rucksaecke nicht
zugelassen sind und das ist wirklkich
der Hammer! Zum Glueck koennen wir die
Ruecksaecke bei Kai aus Deutschland
unterbringen. Er lebt in der YWCA, die
etwa 5 Minuten von hier entfernt
ist. Doch bis wir wieder zureuck sind ist
schon 21.30 Uhr. Will man hier in
Canada in ein Pub, so hat jeder, der juenger
als 25 scheint, zwei ID's vorzuweisen,
was fuer mich aber unverstaendlich ist.
Ich weiss das Alkohol fuer eine
zarte Leber nicht gesund ist, doch das ist
doch zuviel! Swiss-ID und meine
VISA-Karte ist aber ausreichend und somit bin
ich endlich ins innere gelangt.
Mit einem (2 fuer 1)-Gutschein kommt man auch
guenstiger rein. Da der Laden schon
ziemlich voll ist sind alle Tische
besetzt und ich muss bei der Garderobe
nochmals 1.50 liegen lassen, um mich meiner
Jacke entledigen zu koennen. Heute
ist eigentlich Single-Night und jeder
bekommt eine Nummer auggeklebt.
An einer grossen Tafel koennen dann Nachrichten
an die gewuenschte Nummer weitergeleitet
werden. Doch dies nur am Rande. Heute
wie jeden Mittwoch spielt eine Coverband
auf, die es wirklich im Griff hat
und gute Stimmung macht; 3 Stromgitarren,
Schlagzeug, Piano und zwei Blondine
im Vordergrund die singen (the guys
in the background are singing sometimes
as well). Ein Bierchen hier gibt's
fuer 5.25 und so bleibt es meist bei einem
oder zwei da man ja schon vorher
2...3 gehabt hat. Wenn wir hier in der
Gruppe unterwegs sind bestellt man
meist einen Jar oder Pitscher, was so einem
Kuebel von 1.5...2 Liter entspricht
(weiss gar nicht wieviel es eigentlich ist).
Fuer einen solchen bezahlt man so
zwischen 8.75 und 13.50 Ca$. Die Stimmung
steigt und die Shakeranzahl vor
der Buehne wird groesser. Die Zeit verrinnt
und somit sind wir um 00.35 wieder
draussen, da wir noch zehn Minuten zu Fuss
gehen muessen bis zur Bushaltestelle.
Der letzte Bus ist meist voll und es
sind meist dieselben Leute die back
home fahren. (Einmal war ich so muede, dass
ich meine Station verpasste und
erst aufwachte, als der Busfahrer mich an
der Endstation fragte wo ich denn
eigentlich hin muss? Ich dachte, kein
Problem, das kann ja soweit auch
nicht entfernt sein. Doch ich brauchte dann doch 25
Minuten bis ich endlich zuhause
ankam, da ich mich ueberhaupt nicht in der
Gegend auskannte. Gluecklicherweise
konnte ich mich mit der Busfahrfkahrte
orienteren). So bin ich gegen 1.45
Uhr morgens zuhause um mich aufs Ohr zu
hauen... ZZZzzzzz... |